Geschichte der RBG

Probleme die zur Gründung der RBG Memmingen führten

Durch die gemeindliche Stierhaltung, zu welcher die Gemeinden seit 1888 verpflichtet waren, wurde die Trichomonaden- und Bazillus-Bang-Seuche verbreitet. Unaufgeklärte und gedankenlose Kuhhalter brachten erkrankte Tiere zum „Gmoindsstier“ und dieser wurde angesteckt. Bei weiteren Deckakten konnte so ein „Gmoindsstier“ einen Großteil des Kuhbestandes infizieren. Milch- und Kälberausfall und der vorzeitige Abgang unfruchtbarer Kühe waren die Folge. Die heimische Landwirtschaft erlitt dadurch einen unheimlichen Schaden.

 

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Gründung und die ersten Jahre

Am 07.12.1950 konnte im vollbesetzten Saal des „Schwarzen Ochsen“ in Memmingen die Rinderbesamungs-Genossenschaft Memmingen eG gegründet werden. Die Gründungsversammlung hatte sich zum Ziel gesetzt, neben der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten die Rinderzucht der Mitglieder zu fördern.

 

Nachdem im Januar 1951 der erste Stier „Igon“ mit Hilfe des Landkreises Memmingen gekauft werden konnte, musste auch ein Memminger Standort gefunden werden. Im Süden der Stadt wurde im Februar 1951 ein 10 ha großes landwirtschaftliches Anwesen gepachtet und umgebaut. Der Stall bot Platz für 14 Stiere. Der Entsamungsbetrieb in der Herdgasse startete im Juni 1951.

 

Ein Entsamungstag war damals noch richtig Stress am Morgen, da das Frischsperma nur 2-3 Tage nach Entnahme haltbar war. Der gewünschte Bulle musste zur richtigen Zeit entsamt werden, damit die Ware auch pünktlich am Bahnhof war. Das Sperma wurde in kleine Gläschen abgefüllt, anschließend in Thermoskannen verstaut und das Ganze kam dann zum sicheren Transport in eine Holzkiste. Per Expresszug ging es dann beispielsweise nach Oberstdorf und von dort weiter mit dem Moped auf die Mitgliedsbetriebe. Die Besamungsbeauftragten wurden damals auch „Rucksackhägel“ genannt, weil sie die wertvolle Fracht im Rucksack transportierten.

 

Stationsneubau Buxheimer Straße und Entwicklung

1954 wurde die ehemalige Besamungshauptstelle in der Buxheimer Straße in Memmingen gebaut und 1955 bezogen. Sie beherbergte Büros, die Zentralkartei, ein Labor und eine Stierstallung zur Unterbringung von 39 Stieren mit Entsamungsraum.

 

Da auch in den Jahren danach die Besamungsnachfrage stark stieg, wurde bereits 1958 erneut eine Stierstallung für weitere 13 Stiere erbaut. Die Notwendigkeit einer intensiven Bullenprüfung und die damit verbundene Wartebullenhaltung brachten erneut bauliche Erweiterungen mit sich. So entstand 1969 ein moderner Wartebullenstall mit Bergehalle und Kiwa-Anlage.

 

Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche weitere An- und Umbauten durchgeführt, um den Anforderungen der modernsten Besamungstechniken stets gerecht zu werden.

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Tiefgefrierverfahren revolutioniert die Besamung

1973 kam dann das Tiefgefrierverfahren für Sperma. Dies machte eine unbegrenzte Lagerung des Samens und einen weltweiten Versand des Spermas möglich. Mittels flüssigen Stickstoffs konnte das hochempfindliche Rindersperma nun auf Vorrat produziert werden und Langzeitlagerung wurde zu einem System. Bullenprüfprogramme wurden wesentlich effizienter und das Tiefgefrierverfahren erfüllte auch die züchterischen Anforderungen, da nun die weltweit besten Bullen eingesetzt werden konnten.

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Die 1980er, 1990er und die 2000er Jahre der RBG Memmingen

Noch vor Einführung der Milchkontingentierung im Jahre 1984, bei der die damalige EWG eine Quotenregelung einführte, um die Milchproduktion in den Mitgliedstaaten zu beschränken, stieg die Zahl der Erstbesamungen pro Jahr auf 215.000.

 

Im Rahmen der IBR-Sanierung, wurden die Gebäude in der Buxheimer Straße 1987 und 1988 erweitert: Ein neuer Quarantänestall mit 16 Plätzen und ein Produktionsstall für 64 Stiere wurden gebaut. Beide Ställe waren mit Desinfektionsschleusen ausgestattet. Zusätzlich beinhaltete die Bauphase ein Labor, einen Vaginenraum, die Entsamungshalle und Futter- und Strohbergeräume.

 

1999 konnte die RBG den ehemaligen Brommlerhof in Hitzenhofen kaufen und baute dort einen Wartestall mit 96 Plätzen.

 

Ende der 2000er Jahre wurde ein neues EDV-System eingeführt, das speziell ausgelegt war, die Anforderungen einer modernen Besamungsstation zu bedienen.

 

Auch eine weitere Revolution in der Besamung hielten die 2000er Jahre bereit: 2008 kam das erste gesexte Sperma eines Memminger Stieres auf den Markt. Vasir war der Auserwählte. Das Ziel beim „Spermasexing“ ist es, Spermien des gewünschten Geschlechts zu gewinnen und die anderen zu entfernen bzw. zu hemmen. Dadurch kann mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 90% das gewünschte Geschlecht der Kälber beeinflusst werden.

 

Die Renovierung des Hauptgebäudes in der Buxheimer Straße und der Bau eines Produktionsstalls mit Einzelboxen schlossen die 2000er Jahre für die RBG Memmingen ab.

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Gründung der Alpengenetik eG

Mit Gründung der Alpengenetik eG im Jahre 2010 gelang der RBG Memmingen zusammen mit den Tiroler Braunviehzüchtern eine europäische Zusammenarbeit, die ihresgleichen sucht. Den Bauern der heutigen Mitglieder RBG Memmingen, Rinderzucht Tirol, Vorarlberg Rind und den Kärntner Braunviehzüchtern steht Europas größter Brown Swiss Genetikpool zur Verfügung.

 

Neuzeit bis Heute

Auch die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung im Jahr 2011 veränderte die Besamungswelt nachhaltig. Zusätzlich zu den bereits bisher verwendeten Leistungs- und Abstammungsinformationen werden nun die Ergebnisse einer genetischen Untersuchung mit in die Bewertung einbezogen. Dadurch ist es möglich, lange vor dem Vorliegen von Töchterinformationen, Aussagen zur Vererbungsleitung von Bullenkälbern zu machen.

 

Der Ausbau des RBG-Serviceprogramms durch Angebote wie SpermVital-Sperma, Eigenbestandsbesamer-Kurse und Anpaarungsberatung prägten die vergangenen Jahre.

 

2015 kamen dann Veränderungen ganz anderer Art auf die Genossenschaft zu. Vorstandsvorsitzender Anton Merk erhielt eine Anfrage von IKEA, welche die Station mit den angrenzenden Flächen kaufen wollten um dort ein Möbelhaus zu bauen. Eine intensive Zeit der Überlegungen und der Planungen begann. Dann die Entscheidung: Die RBG baut an zwei Standorten neu und IKEA übernimmt das gesamte Gelände am Autobahnkreuz.

 

2018 war dann ein besonderes Jahr in der Geschichte der RBG Memmingen: Der Spatenstich und Bauauftakt zur Errichtung der modernsten Besamungsstation Europas in Hitzenhofen und des neuen Verwaltungsgebäudes in Memmingen.

 

69 Jahre nach der Gründung der Rinderbesamungs-Genossenschaft Memmingen eG konnten im Oktober 2019 die neu erbauten Stallungen, Labore, Büros und die Sprunghalle in Betrieb genommen werden und gewährleisten höchste Arbeitssicherheit im Umgang mit den Stieren, ausgezeichnete Tierwohlbedingungen, sowie ein modernes Arbeitsumfeld für Mensch und Tier.

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